Implantologie 2

Implantologie

Die Geschichte der Implantologie reicht lange zurück, bereits die alten Ägypten verarbeiteten Muschelschalen zu Zahnimplantaten. Die ersten funktionsfähigen künstlichen Zahnwurzeln wurden im 19. Jahrhundert hergestellt. Damals wurden  zur Implantatherstellung Materialien wie Gold, Keramik, Platin, Silber und Kautschuk verwendet. Die moderne Implantologie wurde in den 1960er Jahren durch Dr. Per-Ingvar Brånemark aus der Taufe gehoben. Er verwendete erstmals Titan als Implantatmaterial. Titan ist leicht, fest, dehnbar, korrosions- und temperaturbeständig. Es ist daher besonders für Anwendungen geeignet, bei denen es auf hohe Korrosionsbeständigkeit, Festigkeit und geringes Gewicht ankommt. Ferner ermöglicht Titan eine hervorragende Verbindung mit dem Knochen (Osseointegration).

Die Verbindung zwischen der Titanoberfläche und dem Knochen hat sich über Jahre als zuverlässig erwiesen. Die Elastizitätsausprägungen von Knochen und Titan sind identisch, daher sind Frakturen der Titanimplantate selten. In der modernen Zahnmedizin hat sich das sog. Reintitan durchgesetzt. Hierbei handelt es sich um eine Legierung von Titan mit Sauerstoff und Stickstoff. Sauerstoff und Stickstoff erhöhen nochmal die Festigkeit des reinen Titans erheblich. Die stabile Oxidschicht erleichtert die korrosionsfreie Einheilung des Implantats. Diese Oxidschicht sorgt zusätzlich für die Biokompatibilität des Titanimplantats.

Neben Titan finden auch zunehmend keramische Materialien in der Implantatherstellung Anwendung. Keramische Werkstoffe werden als Implantatwerkstoff insbesondere in ästhetisch sensiblen Bereichen verwendet.

 

Indikationen

Neben der prothetischen Indikation zum Zahnersatz erstrecken sich die Einsatzbereiche auf die Kieferorthopädie und die Epithetik einschließlich der funktionellen und ästhetischen Rehabilitation von Patienten nach tumorchirurgischen Eingriffen.

 

Für das klinisch etablierte Verfahren der Implantation existieren klare Indikationen, die von den Leistungsträgern wie Krankenkassen und Berufsgenossenschaften im unterschiedlichen Umfang anerkannt werden. Indikationen für den Einsatz von Implantaten sind z.B. Einzelzahnlücken, Freiendsituationen insbesondere vollständig zahnlose Kieferabschnitte. Für solche Einsatzgebiete bietet die implantatgetragene Versorgung durch die stabilere knöcherne Verankerung klare Vorteile gegenüber einer konventionellen herausnehmbaren Lösung. Bei Fehlen von ganzen Zahnreihen im Unter- oder Oberkiefer ist meist mit konventionellen Prothesen eine zufriedenstellende Versorgung nicht möglich.

 

Eine weitere häufige Indikation für eine Implantatinsertion ist der traumatische Zahnverlust insbesondere bei jungen Patienten. Denn für eine Brückenkonstruktion müssen die gesunden Nachbarzähne beschliffen werden. Davon raten wir vor allem jungen Menschen ab. Durch den Einsatz von Implantaten kann auf das Beschleifen benachbarter Zähne verzichtet werden. Somit sind Implantate für die Zähne im Vergleich zu Brücken die schonendere Alternative. Ein weiterer Vorteil eines festsitzenden Implantats gegenüber einer Brücke ist ihre funktionelle und optische Ähnlichkeit mit den eigenen Zähnen.

 

Implantate können auch bei Patienten mit angeborenen Fehlbildungen des Kiefers (Lippen-Kiefer-Gaumenspalten), genetischer Nichtanlage von Zähnen (genetisch bedingter Nichtvorhandensein eines Zahnkeims), extremer Mundtrockenheit und nach einer Tumorbehandlung unkompliziert eingesetzt werden. Implantatinsertionen haben in der Regel keine Nebenwirkungen. Wir wägen jedoch immer bei bestehenden Erkrankungen mit systemischen Risiken den Nutzen einer Implantation kritisch ab. Im Rahmen eines Beratungsgesprächs weisen wir auf Risiken und Komplikationen in schwierigen Fällen hin.

 

Ziele und Methoden

Die Implantologie umfasst eine Reihe von chirurgischen Techniken, die eine funktionelle Rehabilitation des zahnlosen Kiefers zum Ziel hat. Die Komplexität der chirurgischen Methoden erfordert eine gründliche Planung und Ausführung. In der Planungsphase evaluieren wir vitale Strukturen, wie z.B. Alveolarnerven, Kieferhöhle sowie Form und Dimension des Knochens. Zu diesem Zweck verwenden wir hochauflösende  digitale Röntgenaufnahmen, um die beste Position für die Insertion der Implantate zu bestimmen.

 

Insbesondere die ästhetische Zone (Frontzahnbereich) ist eine der schwierigsten Regionen für Implantationen. Ästhetische Probleme – wie Durchschimmern des Implantats durch die Schleimhaut, Lücken zwischen Zahn und Implantat, Fehlstellung der Implantatachse, Sichtbarwerden des Implantats und fehlende Schleimhaut – sind in diesen Fällen von außen erkennbar. Zur Vermeidung von unliebsamen Überraschungen ist es daher zu empfehlen, sich möglichst früh an einen spezialisierten und vertrauensvollen Zahnarzt zu wenden.

 

Um unseren Patienten die beste Versorgung zu ermöglichen, haben wir in unserer Praxis einen wissenschaftlichen Kommunikationsprozess mit unseren Ausbildern – dem spezialisierten Team um Professor Dennis P. Tarnow und Dr. Stephen J. Chu von der Columbia University in New York –  implementiert. Professor Tarnow und  Dr. Chu forschen an neusten Methoden auf dem Gebiet der Implantologie.

 

Krankenkassenzuschuss

Das Wirtschaftlichkeitsgebot der Krankenkassen sieht vor, dass die vom Zahnarzt erbrachten Leistungen ausreichend, zweckmäßig und notwendig sind. Die Versorgung einer Zahnlücke mit einem Implantat ist zwar notwendig jedoch mehr als ausreichend und mehr als zweckmäßig und somit überwiegend Privatleistung und nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen enthalten. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen lediglich einen festen Betrag in Abhängigkeit von der Mundsituation (Festzuschuss). Bei Tumorerkrankungen und schweren Fehlbildungen übernehmen die Krankenkassen die kompletten Kosten für Implantate. In diesen Fällen muss ein spezielles Gutachten erstellt werden, ob eine der in Frage kommenden Erkrankungen vorliegt.